Offensive Tanz

© Marion Borriss

PURPLE – Internationales Tanzfestival für junges Publikum

Ergebnisse Publikumsbefragung

Auswertung und Ausblick

Im Auftrag der Offensive Tanz für junges Publikum hat das PURPLE Tanzfestival über das gesamte Jahr 2020 mehrere Umfragen durchgeführt, um vertiefte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Kunstform Tanz in Zukunft noch mehr junge Menschen erreichen und begeistern kann. Zu diesem Zweck wurden zwei verschiedene Fragebögen erstellt. Einer richtete sich speziell an Kinder und Jugendliche, der andere an Lehrer*innen, Erzieher*innen und Eltern. Beide Umfragen wurden selbstverständlich anonym behandelt.

Folgende Teilprojekte wurden in 2020 durchgeführt:

A Befragung von Kindern und Jugendlichen (Einzelinterviews und Online-Befragung)

B Multiplikator*innen: Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen (Online-Befragung)

C Besucher*innen des PURPLE Tanzfestivals (Foyer-Befragung)

1. Befragung von Kindern und Jugendlichen (Interviews und Online-Befragung)

Zielgruppen: Kinder und Jugendliche
Laufzeit: 19.01.2020 bis 31.12.2020
Anzahl der Teilnehmer*innen: 7 + 45 = 52

Ziele der Befragung

● Ermittlung kulturelle Vorlieben und Kultur Nutzungsverhalten

● Kulturkonsum in sozialen und digitalen Medien

● Ästhetische und inhaltliche Präferenzen sowie Sehgewohnheiten in Bezug
auf die Kunstform Tanz

● Wahrnehmung und Einordnung der Kunstform Zeitgenössischer Tanz

● Verortung der Kunstform Zeitgenössischer Tanz in den Bereichen Schule & Freizeit

Wichtigste Erkenntnisse

● Alle Befragten, die bereits auf einer Tanzvorstellung waren (83 %), gaben an, wieder eine Vorstellung dieser Kunstform besuchen zu wollen bzw. würden.

● 85 % der Befragten, auch jene, die noch keine Vorstellung besucht hatten, würden gerne eine professionelle Vorstellung an bzw. in ihrer Schule sehen.

● Zeitgenössische Tanzvorstellung liegen in puncto Kulturkonsum bei insgesamt sieben aufgezählten Kultursparten gleich mit Museen. Am häufigsten werden jedoch Kinos und Konzerte/Musicals angegeben.

● Viele junge Menschen können zeitgenössischen Tanz als Kunstform nicht einordnen oder haben irreführende Assoziationen, die eine Auseinandersetzung behindern.

● Die Kunstform Tanz wird oft mit Selbst Tanzen oder klassischen Formen wie Ballett gleichgesetzt, was in gewissen sozialen Kontexten nicht als „cool“ gilt. Die Assoziationen ändern sich zumeist nach intensiverer Beschäftigung/Auseinandersetzung.

● Streetdance und seine Subformen erfreuen sich großer Beliebtheit. Zeitgenössischer Tanz belegt den zweiten Platz von fünf angebotenen Tanzstilen in dieser Auswertung.

● Hinsichtlich der Inhalte der Vorstellungen werden narrative und humorvolle sowie Themen rund um die Lebensbereiche bevorzugt. Auch künstlerische und abstrakte Themen werden gewünscht.

● Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld gelten als Hauptkriterium zum Besuch von Kulturveranstaltungen.

● Soziale Medien erreichen bei der Bewerbung von Angeboten das Zielpublikum nicht effektiv. Die Jugendlichen konsumieren jedoch häufig kurze Tanzvideos auf Kanälen wie Youtube, Instagram und Tiktok.

Abgeleitete Handlungsempfehlungen

● Es bedarf direkter Kommunikation und einen kontinuierlichen Austausch auf Augenhöhe mit den Jugendlichen, um Zugänge zu schaffen, Interesse zu wecken und o. g. Barrieren abzubauen. Hierbei scheinen Formen der „peer-to-peer“-Kommunikation am erfolgreichsten. Dazu müssen neue Formate entwickelt werden.

● Eine aufgebaute bzw. verstärkte Bindung zu den Institutionen bzw. zur Kunstform Zeitgenössischer Tanz ist erforderlich, damit die Jugendlichen den Aktivitäten eigenständig folgen (auch in Sozialen Medien).

● In den Sozialen Medien herrscht ein hohes Interesse für künstlerische und tänzerische Elemente. Die bei den Jugendlichen vertrauten Formate dieser Plattformen wie kurze (15 bis 60 Sek.) „Teaser-“Videos, „Challenges“ oder Aufrufe zur eigenen künstlerischen Produktion könnten genutzt werden, um an die Ästhetiken und Themen heranzuführen.

2. Befragung von Multiplikator*innen (Online-Befragung)

Zielgruppen: Eltern, Erzieher*innen & Lehrer*innen
Laufzeit: 19.01.2020 bis 31.12.2020 Anzahl der Teilnehmer*innen: 148

Ziele der Befragung

● Ermittlung kulturelle Vorlieben und Kultur Nutzungsverhalten (mit Kindern / Schüler*innen)

● Faktoren & Entscheidungsprozesse für die Auswahl von kulturellen Angeboten

● Reichweite und Nutzung von verschiedenen Kommunikationskanälen

● Wahrnehmung & Einordnung der Kunstform Zeitgenössischer Tanz

● Ermittlung inhaltlicher und ästhetischer Präferenzen bei Tanzkonsum

● Verortung der Kunstform Zeitgenössischer Tanz in den Bereichen Schule & Freizeit

Ermittlung Relevanz von kultureller Bildung in den Bereichen Schule & Freizeit

Wichtigste Erkenntnisse

● Der Besuch von zeitgenössischen Tanzvorstellungen mit Kindern liegt in puncto Kulturnutzung im oberen Mittelfeld. Am häufigsten werden Museen/Ausstellungen, Theatervorstellungen und Konzerte besucht.

● Als wichtigstes Entscheidungskriterien für Kulturveranstaltung gelten das Interesse der Kinder, die Themen der Vorstellungen, bisherige Erfahrungen und die Ticketpreise.

● Empfehlungen aus dem privaten und beruflichen Umfeld sind die wichtigsten Kommunikationskanäle für Kulturveranstaltungen. Klassische Kanäle wie Newsletter und Flyer / Plakate werden auch häufig genutzt. Weniger relevant scheinen Veranstaltungsmagazine und -portale sowie Anzeigen in den Sozialen Medien.

● Fast alle Befragten haben den Besuch von Tanzvorstellungen als Bereicherung für sich und die Kinder empfunden, würden diese weiterempfehlen und wieder besuchen.

● Ein größeres Angebot für Kinder und Jugendliche in der Nähe, mehr Informationen zu den Veranstaltungen sowie mehr Vermittlungsformate und Informationen zur Vor- und Nachbereitung würden häufigere Besuche von zeitgenössischen Tanzvorstellungen fördern.

● Themen rund um die Lebensbereiche junger Menschen, narrative Elemente und Inhalte, die sich auf Diversität beziehen sowie unterrichtsnahe Themen bei Lehrpersonen werden gewünscht.

● Fast alle Befragten wünschen sich Tanzvorstellungen an der Schule und erachten dies als möglich.

● Kulturelle Bildung und durch Tanz geförderte Entwicklung der Kinder und Jugendlichen genießen eine hohe Relevanz.

Abgeleitete Handlungsempfehlungen

● Die Frequenz der Besuche von Tanzvorstellungen korreliert nicht mit der überaus positiven Bewertung der Kunstform. Diese muss als Teil des schulischen Repertoires im Bereich der kulturellen Bildung noch (besser) etabliert werden. Dazu können mehr Informationen und Austauschprozesse mit Akteur*innen aus dem Bildungsbereich und Elternvertretungen kontinuierlich zwecks Beziehungsaufbau angeboten werden, um so auch eine Empfehlungskultur
zu fördern und den Zeitgenössischen Tanz in Schulen als festen Bestandteil kultureller Bildung zu konstituieren.

● Die Multiplikator*innen besitzen zumeist wenig Erfahrungen im Umgang (mit Kindern und) der Kunstform. Es sollten regelmäßige Fortbildungen und Workshops angeboten werden, die einen Zugang, eine Vermittlung an die Kinder und eine Integration in den Lehrplan ermöglichen.

Ähnlich wie bei „Klassenzimmer-Stücken“ im Theater, sollte es auch im Tanz möglich sein, Vorstellungen in den Schulen anzubieten, dafür bedarf es neue Kooperationen mit Schulen.