Offensive Tanz

© TANZKOMPLIZEN

TANZKOMPLIZEN und Offensive Tanz

"The Other Body"

Schritte der Veränderung

“In everyday life, like in theatre and performance spaces, there is a dramaturgy of power and privilege, which is also a dramaturgy of hierarchy, separation, rupture and elimination. Racism is embedded in all those domaines, racism is an intersectional sphere in itself, a vast area of transcultural intersectionality.”

Nora Amin

Zum Auftakt der Offensive Tanz für junges Publikum hat das Team von TANZKOMPLIZEN zahlreiche Interviews mit Künstler*innen und Institutionen geführt, um Handlungsfelder für das Gesamtprojekt der Offensive zu definieren. Dabei wurde deutlich, wie notwendig es ist, strukturellen Rassismus im Tanz zu thematisieren und auf eine stärkere Diversität bzw. mehr „Equality“ in Ausbildung und Produktion hinzuarbeiten.

Die erste Veranstaltung der Offensive zum Thema „Tanz und Rassismus“ fand nun im September 2020 in der Schillertheater-Werkstatt und als Livestream auf Youtube statt, initiiert und organisiert von TANZKOMPLIZEN. Der Fachtag „The other body“ brachte Tanzschaffende, Tanzexpert*innen, Tanzpädagog*innen und interessiertes Publikum zusammen, um rassistische Strategien in der Tanzpädagogik und in den ästhetischen Traditionen des choreografierten Tanzes zu analysieren.

Konzipiert und kuratiert wurde die Konferenz von der ägyptischen Tänzerin, Choreografin und Schriftstellerin Nora Amin, die in ihrer Eröffnungsrede über Mechanismen von Inklusion und Exklusion im Tanz, über Hierarchie und Ownership und über ihr sehr persönliches Engagement für eine Veränderung der aktuellen Strukturen sprach:

Der Fachtag war in drei thematische Blöcke gegliedert. In einer ersten Session „Critical initiatives by emerging artists“ sprach die Tanzvermittlerin Amelie Mallmann mit den beiden Künstler*innen Zwoisy Mears-Clarke und Tümay Kılınçel über deren Arbeit. Welche Erfahrungen machen sie als Tanzschaffende mit Rassismus und wie verarbeiten sie diese in ihrer Kunst?

Die zweite Session „Dance pedagogy from a socio-political perspective“ richtete den Blick auf Ausbildungsstrukturen. Nora Amin sprach mit der Tanzwissenschaftlerin Nina Hänel und der künstlerischen Leiterin von TanzZeit, Livia Patrizi, über Inhalte und Methoden der Vermittlung und Zugangsbarrieren auf dem Weg zum/zur professionellen Tänzer*in:

In der dritten Session „The performative political body of today“ diskutierte Michael Freundt, Vorsitzender des Dachverband Tanz, mit den Künstlerinnen Hannah Ma und Mey Seifan. Es ging unter anderem um die Frage, wie die Förderlandschaft im Tanz aufgestellt sein muss, um diversitätsfördernde Strukturen zu berücksichtigen.

Nach jedem der drei Themenblöcke wurde das Publikum eingeladen, in Kleingruppen über die eröffneten Fragen in den Austausch zu kommen. Den Abschluss des Tages bildete eine performative Session mit jeweils 10-minütigen Beiträgen der Tänzer*innen Raphael Hillebrand, Mohammed Diban, Pasquale Rotter, Josep Garcia Caballero und Raha Nejad.

Die Offensive Tanz hat sich mit dieser Konferenz auf einen Weg begeben, der zu weiteren Veranstaltungen und zu einem vertieften fachlichen Austausch führen wird. Die diskutierten Fragen werden zunächst auf dem Symposium „race – class – gender: Intersektionale Perspektiven in Tanz und Theater für die Jüngsten“ wiederaufgenommen, das das Theater o.N. im Rahmen des Festival FRATZ International im Oktober/November 2020 veranstalten wird.

Im Januar 2021 findet das Thema dann seine Übertragung auf eine Bühnentanz-Produktion: Mit „A Human Race“ zeigt TANZKOMPLIZEN im Rahmen der Offensive ein Stück des französischen KRUMP-Tänzers und Choreografen Grichka Caruge, das die Kraft des Tanzes beim Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und Rassismus zum Thema hat.

Wir machen uns auf den Weg. Und gehen Schritte der Veränderung.

“To develop dance for youth and dance in education is to work towards the future situation of the dance field in general, and to empower an equal and participatory domaine where dance creation can expand and meet the new horizon of a growing society.”

Nora Amin